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Billstedt-Horn I - Bille SC II 4 : 4
Billstedt-Horn I - Bille SC II 4 : 4 Da unsere zweite Mannschaft nach wie vor gegen den Abstieg spielt, ist das erreichte Ergebnis gegen Billstedt wenig befriedigend. Dabei waren die Chancen durchaus da, doch leider haben wir sie nicht konsequent genutzt.

Angefangen bei Golasch versus Schult. Herr Schult verteidigte sich mit holländisch. Die Eröffnungsphase bekam ich nicht mit, aber im Mittelspiel spielte Schwarz de facto mit einer Figur weniger. Sein weißfeldriger Läufer stand völlig eingesperrt auf b7, während alle weißen Felder im Zentrum mit schwarzen Bauern besetzt waren. Sein Aktionsradius = 0. Die Stellung war durch die Bauernkonstellation auch insgesamt recht festgefahren, jedoch hatte Hubert das leichtere Spiel. Für ihn sprach der Raumvorteil und die aktivere Leichtfigur; Ebenfalls ein weißfeldriger Läufer. Als Herr Schult im 22ten Zug remis bot, lehnte Hubert zunächst ab. Doch wenig später, nachdem ihm Ingo freie Hand ließ, einigte er sich dennoch friedlich. Das war die erste vergebene Chance.

Zwischenstand: Billstedt-Horn I  ½ : ½  Bille SC II

Norbert spielte an eins ganz im Geiste der aktuellen Weltmeisterschaft. In den drei entschiedenen Partien zwischen Weltmeister V. Anand und dem Herausforderer V. Topalov, hat die gewinnende Seite stets etwas geopfert, ob Bauer, Springer oder noch Läufer obendrein. Vielleicht davon inspiriert opferte Norbert mit weiß spielend, gleich drei Bauern in der Eröffnung. So ergab es sich, dass er nach 13 Zügen bereits die Entwicklung abgeschlossen hatte, während die einzigen zwei Figuren, die Herr Melamed bis hierhin entwickeln konnte, ein Springer und die Dame waren. Noch tragischer war aber der Umstand, dass der Springer bereits abseits des Brettes Stellung bezog. So stellte die Dame, die einzige aktive Figur im schwarzen Lager dar, und war mit der Verteidigung ihres Monarchen hoffnungslos überfordert. Norbert blies nämlich nun zum Angriff und schoss aus allen Rohren auf den unrochierten König. Die logische Konsequenz war ein Mattangriff, gekrönt von einem wirklich schönen Läuferzug, welcher die Aufgabe erzwang.

Zwischenstand: Billstedt-Horn I  ½ : 1½  Bille SC II

An acht spielte Martin und führte die schwarzen Steine. Herr Meyer (Willi) spielte die Eröffung sehr aggressiv und zog sehr für h4 und g4. Martin überlegte darauf hin nicht lange wo er seinen König in Sicherheit bringen wollte und rochierte lang. Da es ihm sein Gegner gleich tat, entstand aufgrund der homogenen Rochadenstellung und der symmetrischen Bauern auf beiden Brettseiten, eine sehr ausgeglichene Stellung, welche die Klötzchenschieber zum frühen Remischluss nötigte.

Zwischenstand: Billstedt-Horn I  1 : 2  Bille SC II

Ulrich an vier packte wieder mal sein geliebtes lettisches Gambit aus. Die Eröffnung schien ganz gut verlaufen zu sein, denn das entstandene Mittelspiel bot ihm sehr aktives Spiel am Königsflügel, wo Ulrich beinahe alle seine Figuren versammelte. Doch Herr Tatliak verteidigte sich sehr umsichtig und so war es sehr schwer einen entscheidenen Schlag anzubringen. Die Stellung schätzte ich als besser für Ulrich ein, jedoch scheint Weiß einen Befreiungszug am Ende gefunden zu haben, worauf Ulrich keine chance mehr auf einen Sieg sah und sich auf Remis einigte. 

Zwischenstand: Billstedt-Horn I  1½ : 2½  Bille SC II

Zur Partie von Alexander kann ich kaum etwas sagen. Einzig die Endstellung habe ich gesehen, bei der unser eins zwar einen Läufer mehr hatte, dafür für den Gegenwert von drei Bauern. Ansonsten waren nur noch die Damen auf dem Brett mit einem Bauernverhältnis von 3 zu 6 für uns. So nahm Alexander das Remisangebot an, denn die praktischen Chancen lagen eher bei Schwarz, mit drei verbundenen Freibauern und der aktiveren Dame.

Zwischenstand: Billstedt-Horn I  2 : 3  Bille SC II

Insgesamt hätten wir nicht unzufrieden sein müssen, denn dank Norbert führten wir den Kampf an, und zumindest bei Ingo sah die Stellung zwischenzeitlich richtig gut aus.

Gegen Caro-Kann spielend entschied er sich für die Abtauschvariante und kam gut durch die Eröffnung. Im Übergang zum Mittelspiel wurde Ingo allerdings ungeduldig und löste als erster die Spannung im Zentrum auf. Ihm gefiel ein Läuferopfer für zwei Bauern, bei dem auch die Königsstellung des Schwarzen geschwächt wurde, und so spielte er dann auch. Laut Rybka hätte er an gleicher Stelle lieber seinen zweiten Springer entwickeln sollen, was zwar ebenfalls forciert zu einem Figurenopfer gegen zwei Buern geführt hätte, allerdings mit einer besseren Stellung für ihn. So sollte sein Sb1 erst drei Züge vor Aufgabe ins Spiel finden.

Denn nach dem Opfer fehlte noch die Entwicklung eben dieses Springers, um die Türme zu verbinden und damit die Entwicklung endgültig abzuschliessen. Wenn man schon Figuren für einen Angriff opfert, sollte man sicher gehen, dass man noch genug in der Hinterhand hat, um den Angriff fortführen zu können. Nun aber fing Ingo an etwas planlos seine Figuren herum zu ziehen, und erlaubte damit seinem Gegner, seine schlecht plazierten Figuren umzugruppieren. Langsam aber sicher neigte sich die Waagschale zu Gunsten von Schwarz und mit einem taktischen Qualitätsopfer auf f3, war noch ein Läufer verloren gegangen. Nun stand Ingo mit zwei Figuren weniger und kaputter Bauernstellung vor dem König total auf Verlust; Wohlgemerkt ohne seinen Sb1, der noch nicht gezogen hatte, und damit auch ohne seinen Ta1. Als im 25ten Zug endlich Sd2 gezogen wurde bewertete Rybka die Stellung bereits abgabereif mit -5.00. Nur drei Züge Später lag die Bewertung bei knapp -19.00 und auch Ingo wusste, was nun zu tun ist.

Wirklich schade um das mutige Läuferopfer, denn mit schneller Entwicklung und aktiverem Spiel hätte Schwarz vor sehr schwierige Probleme gestellt werden können.

Zwischenstand: Billstedt-Horn I  3 : 3  Bille SC II

Aber auch bei mir läuft es diese Saison alles andere als gut. Als ich bereits nach dem tollen 4/5 beim Ramada sagte, dass ich meine daraus hervorgegangene hohe DWZ dem schlechten Spiel nach eigentlich nicht verdiene (um Alexey Shirov zu zitieren: "The game is far more important than the final result.", zu Deutsch: "Das Spiel ist wichtiger als das endgültige Resultat"), wollten es einige nicht wahr haben. Nun kassiere ich eine Null nach der anderen gegen Gegner, die ich eigentlich locker im Griff haben sollte. 

Mal wieder Skandinavisch, mal wieder die gleiche Variante, die ich bereits in den letzten Partien gewählt hatte. Laut Buch habe ich in der Eröffnung alles richtig gemacht und kam auch dank eines passiven weißen Zuges mit kleinem Vorteil aus der Eröffnung. Aber dann hatte ich große Probleme, den richtigen Plan zu finden und schluste fürchterlich rum. Nachdem ich einige Zeit in einen Springerzug investiert hatte und Varianten mit Zwischen-Garde (gibt's das Wort?!; Jetzt ja!) berechnte hatte, entging mir doch tatsächlich die offensichtlichste Antwort, welche einen Damentausch erzwingen konnte. Natürlich spielte Herr Tverskoy so und die Damen sagten Adé. Der minimale Vorteil lag zwar immer noch bei mir, aber die Stellung hat viel an Dynamik verloren und ich war noch ratloser als vor dem Damentausch. Dies führte dazu, dass Weiß schliesslich dank seiner Springer die aktivere Stellung bekam und ich langsam aber sicher den Vorteil abgeben und mich verteidigen musste. Glücklicherweise fand ich zwar die richtige Züge, und das entstandene Bauernendspiel war total ausgeglichen, doch von Bauernendspielen verstehe ich leider sehr wenig. Und so hat es nicht lange gedauert, bis ich im 40ten Zug die Partie mit einem einzigen (Bauern)Zug wegwarf. Danach versuchte ich etwas zu schummeln und hoffte, mein schwächerer Gegner ließe sich zur falscher Spielweise verleiten. Doch Herr Tverskoy spielte absolut richtig und tempierte mich eiskalt aus.

Zwischenstand: Billstedt-Horn I  4 : 3  Bille SC II

Nun lag alles bei Björn. Gewinnen konnten wir zwar nicht mehr, aber wenigstens das Unentschieden wäre sehr wünschenswert. Seine Partie habe ich am Anfang auch nicht verfolgen können. Als ich das erste mal auf's Brett schaute, hatte ich den Eindruck, dass er die Qualität gewinnen konnte. Da er aber im späteren Partieverlauf diesen Vorteil nicht hatte, muss mir wohl bei der oberflächlichen Betrachtung etwas entgangen sein. Die Partie hatte den Anschein eines zähen Ringens und ich kann nicht sagen, welche Seite besser stand. Weiß hatte zwar mehr Raum und die aktiveren Figuren, dafür schien Björn recht fest zu stehen. Erst im Übergang ins Endspiel kam etwas mehr Spannung auf, als Björn sich befreien konnte und dank aktivem Figurenspiel einen Bauern ergatterte. Und plötzlich ließ sich Herr Klemt einfach eine Figur abnehmen. Björn fesselte den Läufer mit seinem Turm und auch sein Springer schielte bereits nach ihm. Doch statt diesen zu decken, gab Weiß ein Schach mit seinem Turm und ließ den Läufer im Stich. Möglicherweise hat er aber zu kurz gerechnet. Von unten aus versuchte er den Läufer zu decken, aber der schwarze König konnte den Turm aus der Deckungslinie verjagen und so gewann Björn die Figur. Damit stand er auf Gewinn. Sein Gegner versuchte zwar noch einige Züge, sah dann aber die hoffnungslose Lage ein.

Endstand: Billstedt-Horn I  4 : 4  Bille SC II

Damit haben wir unsere Lage nicht sonderlich verbessert. Nach wie vor liegen wir auf einem Abstiegsplatz. Zwei Punkte vor dem HSK, aber einen Punkt hinter Caissa und Bergstedt. Letztere spielen am 03.05. gegen Sasel und können weitere Punkte holen. Da wir in der nächsten Runde gegen Farmsen chancenlos sind, könnte es sein, dass wir unsere letzte Chence auf den Klassenerhalt bereits verspielt haben. Barmbek liegt derzeit auf dem starken vierten Rang, und da wir gegen sie auf Norbert werden verzichten müssen, werden wir diesen Kampf entscheidend geschwächt antreten müssen. Eine Chance haben wir dann nur, wenn wir gegen Barmbek mindestens ein Remis holen und Bergstedt oder Caissa alle restlichen Kämpfe verlieren. Dann könnten wir dank unseren hohen Erstrundensieges gegen Bergstedt von 7½ : ½ und der daraus resultierenden sehr guten Brettpunktedifferenz, uns trotz Punktegleichstand weiter vorne in der Tabelle plazieren. Sollten diese Mannschaften in den letzten Begegnungen mindestens einen Punkt holen, müssen wir gegen Barmbek gewinnen. Bei zweiPunkten mehr auf Bergstedt oder Caissas Seite, spielen wir nächste Saison in der Kreisliga.

Eines möchte ich noch anmerken: Die Remisen gegen Billstedt-Horn gingen sicherlich alle in Ordnung. Dennoch wünschte ich mir etwas mehr Kampgeist in einer solchen Situation. Gerade an den Brettern drei und acht hatten wir noch gute Chancen die Stellungen weiter zu kneten, ohne der Gefahr einer sofortigen Niederlage.

So, und für alle, die bis hierhin durchgehalten haben, hier das Ganze nochmal in Kurzform: 

Bezirksliga D

Billstedt-Horn I

Bille SC II
Melamed, Sergej 0  : 1 Kraft, Norbert
Klemt, Gerhard 0  : 1 Lewitz, Bjoern
Schult, Wilhelm ½  : ½ Golasch, Hubert
Tatliak, Stefan ½  : ½ Heinemann, Ulrich
Melnikov, Aleks ½  : ½ Simon, Alexander
Tverskoy, Isaak 1  : 0 Glodowski, Marek
Cheng, Ming-Kang 1  : 0 von der Lieth, Ingo
Meyer, Willi ½  : ½ Sieme, Martin
Endstand 4  : 4

Gruß, Marek



DruckenDrucken | 02-05-2010, 23:56:00 | Schachix

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